Protokollauszug vom 30. April 2026

Ursprünglich als Intervention von kurzer Dauer geplant zieht sich der Angriffskrieg der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran immer mehr in die Länge. Wenig überraschend hat die militärische Überlegenheit der Amerikaner zu raschen und eindrücklichen taktischen Erfolgen geführt, doch die Erreichung der strategischen Zielsetzungen rückt in immer weitere Ferne. Im Gegenteil mit der Blockade der Strasse von Hormus für den kommerziellen Schiffsverkehr sieht sich die Weltwirtschaft nicht nur einem Energieschock ausgesetzt, sondern auch von Exporten wichtiger weiterer Rohstoffe wie Düngemitteln, Basismetallen (Aluminium) und Inputfaktoren für die petrochemische und Metallindustrie abgeschnitten. Zweit- und Drittrundeneffekte, etwa auf die Nahrungsmittelkette und selbst die Halbleiterindustrie, werden sich erst über die nächsten Monate manifestieren, selbst wenn es zu einer zeitnahen Beilegung des Konflikts kommen sollte. Auch ist angesichts dramatisch fallender Erdöl-Lagerbestände zur Kompensation des Exportausfalls aus dem Nahen Osten keineswegs gesichert, dass die Preise für Erdöl und raffinierte Produkte bereits ihre Höchststände erreicht haben.

Nichtsdestotrotz scheinen Teile der Finanzmärkte das Thema mit der Erzielung eines vorläufigen Waffenstillstands Anfang April bereits abgehakt zu haben. Insbesondere die globalen Aktienbarometer angeführt durch den amerikanischen Aktienmarkt kennen seither nur eine Richtung und haben nicht nur die kriegsbedingte Korrektur wieder wettgemacht, sondern sind bereits zu neuen Höchstständen aufgebrochen. Fundamental unterfüttert wird diese Entwicklung durch seit Jahresbeginn stetig ansteigende Gewinnerwartungen der Unternehmen. Entgegen dem üblichen Muster hat selbst der Ausbruch der Kriegshandlungen diesen Trend nicht unterbrochen.

In Blick unter die Oberfläche offenbart allerdings ein differenzierteres Bild. So hat sich der Enthusiasmus in jenen Weltregionen, welche eine besonders ausgeprägte Abhängigkeit von der Golfregion aufweisen (Südostasien, Europa) bereits wieder abgekühlt. Auch steht das Wachstum der Ertragsaussichten auf schmaler Basis und stützt sich massgeblich allein auf die Sektoren Energie und Technologie. Unter den Technologietiteln wiederum sind es in erster Linie Halbleiterhersteller sowie Aufwertungsgewinne bei Beteiligungen der US-Technologiemonopolisten (Magnificent 7) an KI-Laboren wie Open AI und Anthropic, welche die Wachstumsaussichten befördern.

Das Aktienrevival ist somit in erster Linie der wiedererwachten Euphorie der Anleger für die Potentiale der KI-Technologie und die Umsatz- und Gewinneffekte der immensen damit verbundenen Kapitalausgaben geschuldet. Geschönt wird das diesbezügliche Profitabilitätsbild durch den Umstand, dass Umsätze und Gewinne unmittelbar zu Buche schlagen, die diesen gegenüberstehenden Kosten jedoch grösstenteils kapitalisiert werden. Ihre Wirkung verschiebt sich damit um Jahre in die Zukunft, wenn sie nach und nach in der Form von Abschreibungen erfolgswirksam werden.

An den Märkten für festverzinsliche Anlagen sind die Folgen des Konflikts dagegen offensichtlich. So hat der resultierende Inflationsschub Hoffnungen auf weitere Leitzinssenkungen im Dollar-Raum verpuffen lassen. Auch wenn die Übergabe des Vorsitzes des Offenmarktausschusses der US Federal Reserve mit Kevin Warsh an einen Wunschkandidaten der auf tiefere Zinsen erpichten Trump-Administration inzwischen gesichert ist, erwarten die Terminmärkte für den Rest des Jahres keine weiteren Zinsschritte. Im Rest der Welt wird dagegen mit mindestens ein bis zwei Leitzinserhöhungen gerechnet. Im Fall der EZB könnte dies bereits im Juni der Fall sein. In der Schweiz dagegen dürfte vorerst abgewartet werden, zumal die Teuerung der Konsumentenpreise zwar deutlich angestiegen ist, sich mit 0.6 % p. a. aber weiterhin weit unter Zielwert bewegt.

Auch am langen Laufzeitende sind die Zinsen global substantiell angestiegen und haben seither nur unwesentlich nachgegeben. Nicht nur die Inflationsaussichten wirken der üblichen Flucht in Staatsanleihen bei Kristallisierung geopolitischer Risiken entgegen. Auch der fiskalische Spielraum ist weltweit äusserst knapp bemessen. Nachdem der oberste Gerichtshof Ende Februar das Zoll-Regime der Trump-Administration zu grossen Teilen für illegal erklärt und dem Finanzministerium damit eine lukrative Einnahmequelle entzogen hat, droht das aufgeblähte Staatsdefizit mit den Kosten des Krieges zusätzlich belastet zu werden. Darüber hinaus ist das Petrodollar-System unter Druck gekommen. Denn fehlende Einnahmen der erdölfördernden Staaten im Nahen Osten angesichts blockierter Energie-Exporte unterbinden die Wiederanlage im Markt für US Treasuries. Der Druck auf viele Drittstaaten, Reserven zur Finanzierung preislich eskalierender Energie-Importe zu liquidieren, hat die von Zentralbanken gehaltenen Bestände an US-Staatsanleihen im März bereits deutlich schrumpfen lassen. Im Sog steigender USD-Zinsen sind die Anleihenmärkte im Rest der Welt ebenfalls unter Druck geraten.

Die mit dem Kriegsausbruch wiedergefundene Stärke des Dollars hat sich als vorübergehendes Phänomen erwiesen. Mit dem Ausruf eines Waffenstillstandes hat seine Funktion als sicherer Hafen in Krisenzeiten ein Ende gefunden zusätzlich befördert durch Währungsinterventionen der Bank of Japan. Im Gegenzug haben sich allerdings auch die Notierungen für Edelmetalle und insbesondere der Goldpreis erholt. Letzterer war einerseits durch Gewinnmitnahmen nach dem fulminanten Anstieg über das Vorjahr als auch im Zuge von Veräusserungen durch Zentralbanken unter Druck geraten, welche zur Bewältigung des Energiepreisschocks kurzfristig Liquidität schaffen mussten. Gemäss Analysen des World Gold Council haben sich die globalen Goldbestände der Zentralbanken über das erste Quartal insgesamt jedoch weiter erhöht.

Gemäss den Parametern der regelbasierten Rebalancing-Methodik besteht kein Anpassungsbedarf. Die Anlagekommission sieht darüber hinaus keinen Anlass für Anpassungen an eingesetzten Anlageprodukten oder an der Komposition bzw. relativen Gewichtung von innerhalb einzelner Anlagekategorien verfolgten Sub-Strategien.

Zum Stichtag präsentieren sich Schweizer Aktien (Large und Mid Caps) nahe ihrem strategischen Gewicht, während Aktien in Fremdwährung in Folge der ausgeprägten Markterholung im Anlageportfolio ein deutliches Übergewicht erreicht haben. Obligationen in CHF und Fremdwährungen notieren dagegen moderat unter ihrer jeweiligen strategischen Quote. Die Aussetzung gegenüber Schweizer Immobilienanlagen liegt weiterhin moderat unter ihrem Strategiegewicht. Trotz hoher Volatilität bei den Edelmetallen über den vergangenen Monat liegt das Gewicht der Goldposition nahe seinem Strategiewert.

In der Anlagekategorie «Obligationen Fremdwährung» werden die wichtigsten Währungen (CAD, EUR, GBP, JPY, USD) vollumfänglich gegenüber dem Schweizer Franken abgesichert.

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